Pilze im Garten: Die Kraft des Unsichtbaren
Wer an Pilze denkt, denkt oft zuerst an essbare Waldpilze oder an die kleinen Fruchtkörper, die nach einem Regenschauer aus dem Boden sprießen. Doch das, was wir sehen, ist nur ein kleiner Teil des eigentlichen Organismus. Viele Pilze durchziehen mit ihren feinen Fäden, dem sogenannten Myzel, das Holz und den Boden. Dort erschließen sie Nährstoffe, zersetzen organisches Material oder gehen enge Lebensgemeinschaften mit Pflanzenwurzeln ein.
Gerade diese verborgene Welt macht Pilze auch für den Zukunftsgarten so spannend. Sie zeigen, wie eng die Lebewesen eines Gartens miteinander verbunden sind. Ein Garten ist kein Nebeneinander einzelner Pflanzen, sondern ein Geflecht aus Beziehungen, in dem auch das scheinbar Unscheinbare eine wichtige Rolle spielt.
Weniger aufräumen, mehr Leben ermöglichen
Im Herbst fällt es besonders leicht, den Garten als etwas zu betrachten, das auf den Winter vorbereitet werden muss: Beete werden abgeräumt, Stauden zurückgeschnitten, Laub zusammengerecht und Äste entfernt. Doch nicht alles, was ordentlich aussieht, ist auch ökologisch sinnvoll.
Natürlich müssen Wege frei bleiben und kranke Pflanzenteile können entfernt werden. Aber an vielen Stellen darf es etwas gelassener zugehen. Laub kann unter Sträuchern liegen bleiben, hohle Stängel dürfen bis ins Frühjahr stehen und abgestorbene Äste können – sofern sie niemanden gefährden – ihren Platz im Garten behalten.
Dort finden Pilze und zahlreiche weitere Lebewesen Nahrung und Lebensraum. Käferlarven entwickeln sich im morschen Holz, Spinnen nutzen geschützte Zwischenräume und kleine Tiere finden Rückzugsorte. Mit der Zeit verändert sich das Material: Es wird weicher, zerfällt und geht in neue Kreisläufe über.
So entsteht Vielfalt nicht unbedingt durch das, was wir hinzufügen, sondern manchmal gerade durch das, was wir bewusst nicht entfernen.
Ein Stück Totholz ist ein Anfang
Wer Pilzen im eigenen Garten Raum geben möchte, braucht dafür weder einen speziellen Pilzgarten noch aufwendige Pflege. Ein geeigneter abgestorbener Ast, ein Stück Stamm oder eine kleine Totholzecke können bereits einen wertvollen Beitrag leisten.
Entscheidend ist, dass das Holz möglichst in Ruhe gelassen wird. Je nach Holzart, Feuchtigkeit, Standort und Zersetzungsgrad siedeln sich im Laufe der Zeit unterschiedliche Pilze und andere Organismen an. Manche bevorzugen feuchtes, schattiges Holz, andere besiedeln bereits stärker zersetzte Bereiche. Der Wandel vollzieht sich langsam – und gerade darin liegt sein Reiz.
Auch der Standort spielt eine Rolle. Heimische Gehölze, vielfältige Pflanzungen und ein möglichst schonender Umgang mit dem Boden fördern ein lebendiges Gartenökosystem. Dabei gilt: Nicht jeder Pilz braucht dieselben Bedingungen. Während die Schmetterlingstramete (siehe Abbildung) vor allem abgestorbenes Laubholz besiedelt, leben andere Pilze in enger Verbindung mit lebenden Pflanzen.
Ein Zukunftsgarten muss also nicht überall wild sein. Es reicht, bewusst Platz für natürliche Prozesse zu schaffen.
Den Wandel zulassen
Vielleicht liegt eine der wichtigsten Lektionen der Pilze darin, dass Wandel nicht immer sichtbar und nicht immer sofort erfolgreich sein muss. Ein Stück Holz, das heute noch fest und schwer wirkt, kann in einigen Jahren zerfallen sein. Was zunächst nach Verlust aussieht, ist Teil eines größeren Zusammenhangs.
Diese Perspektive verändert auch unseren Blick auf den Garten. Nicht jede Pflanze muss dauerhaft an ihrem Platz bleiben, nicht jede Fläche zu jeder Jahreszeit perfekt aussehen. Ein Garten darf sich verändern, altern und neu entwickeln. Er darf Spuren der Jahreszeiten tragen und Raum für Überraschungen lassen.
Gerade angesichts heißer Sommer, längerer Trockenperioden und des Rückgangs vieler Lebensräume wird es wichtiger, Gärten nicht nur als dekorative Flächen zu verstehen. Sie können kleine Bausteine eines vielfältigen Lebensraums sein. Pilze allein lösen keine ökologischen Probleme, doch sie machen sichtbar, wie wichtig funktionierende Kreisläufe und vielfältige Lebensgemeinschaften sind.
Ein Garten, der weiterdenkt
Die Schmetterlingstramete ist dafür ein wunderbares Sinnbild. Ihre farbigen Fächer sitzen auf Holz, das seine ursprüngliche Funktion längst verloren hat. Und doch ist dieser Ort alles andere als leblos. Hier wird abgebaut, umgewandelt und Platz für Neues geschaffen.
Vielleicht beginnt der Zukunftsgarten genau mit diesem Perspektivwechsel: Wir betrachten nicht mehr nur das, was wächst und blüht, sondern auch das, was vergeht. Wir erkennen den Wert des Unaufgeräumten, lassen natürliche Kreisläufe zu und gestalten unseren Garten so, dass möglichst viele Lebewesen ihren Platz darin finden.
Denn Zukunft entsteht nicht allein durch Neuanfang. Sie entsteht auch dadurch, dass wir das Bestehende verstehen, Kreisläufe respektieren und der Natur vertrauen.
Manchmal beginnt ein lebendiger Garten mit einem Stück Holz, das einfach liegen bleiben darf.
Und wusstest du schon, dass dieser Pilz ein Vitalpilz ist?
Die Schmetterlingstramete gilt vor allem in der traditionellen asiatischen Pilzkunde als Heilpilz. Sie enthält interessante Inhaltsstoffe, darunter Polysaccharide, die wissenschaftlich auf ihre immunmodulierenden Eigenschaften untersucht werden. Bestimmte Extrakte werden begleitend auch in der Krebsforschung erforscht.
Komm mit auf Pilztour von 14-16 Uhr am 13.10.26 Treff im Zukunftsgarten!

