Deutschland hat ein heißes Wochenende hinter sich, Temperaturen über 40 Grad wurden vielerorts gemessen. Für Menschen bedeutet das Belastung – für Insekten, Vögel, Igel und andere Gartentiere kann anhaltende Hitze zusammen mit Trockenheit schnell lebensbedrohlich werden.
Während Böden austrocknen, Blüten weniger Nektar produzieren und kleine Wasserstellen verschwinden, geraten viele Tiere in Stress. Wer einen Garten, Balkon oder eine Terrasse besitzt, kann mit einfachen Maßnahmen wertvolle Hilfe leisten.
Wasser ist jetzt die wichtigste Hilfe
Besonders Insekten leiden in Trockenperioden unter Wassermangel. Wildbienen, Hummeln, Schmetterlinge und viele andere Arten benötigen Wasser nicht nur zum Trinken, sondern auch zur Kühlung ihrer Nester und zur Versorgung ihrer Brut.
Wichtig ist dabei die richtige Gestaltung:
- Flache Schalen oder Untersetzer aufstellen
- Steine, Korkstücke oder Holzstücke als sichere Landeplätze hineinlegen
- Wasser täglich erneuern
- Die Gefäße möglichst schattig platzieren
Auch Vögel profitieren von flachen Vogeltränken. Diese sollten regelmäßig gereinigt werden, damit sich Krankheitserreger nicht ausbreiten.
Für Igel, Eichhörnchen und andere Kleintiere eignen sich größere, flache Wasserschalen am Boden.
Schatten und Rückzugsorte schaffen
Viele Gärten werden im Sommer zu regelrechten Hitzefallen. Kurz gemähte Rasenflächen und versiegelte Flächen heizen sich stark auf.
Naturnahe Strukturen helfen:
- Hecken und Sträucher als Schattenspender erhalten
- Wilde Ecken stehen lassen
- Totholzhaufen anlegen
- Laub- und Reisighaufen nicht entfernen
- Kletterpflanzen an Zäunen und Mauern fördern
Solche Bereiche bleiben deutlich kühler als offene Flächen und dienen vielen Arten als Rückzugsort.
Nicht alles mähen!
Gerade in Dürrezeiten lohnt es sich, den Rasen nicht auf Golfplatzhöhe zu kürzen.
Höheres Gras:
- hält die Feuchtigkeit länger im Boden,
- bietet Schutz vor direkter Sonneneinstrahlung,
- schafft ein günstigeres Mikroklima für Insekten.
Wer nur Wege oder kleine Bereiche mäht und andere Flächen wachsen lässt, hilft zahlreichen Arten.
Blütenpflanzen durch den Sommer bringen
Trockenheit reduziert das Nahrungsangebot für Bestäuber erheblich. Viele Pflanzen produzieren bei Wassermangel weniger Nektar.
Wer gießt, sollte:
- selten, aber durchdringend wässern,
- morgens oder abends gießen,
- möglichst Regenwasser nutzen.
Besonders wertvoll sind heimische Wildpflanzen, die auch Trockenperioden besser überstehen.
Warum Hitze für Insekten wichtig ist
Insekten sind wechselwarm. Ihre Körpertemperatur hängt stark von der Umgebung ab. Kurzfristig können viele Arten hohe Temperaturen aushalten. Problematisch werden jedoch längere Hitzeperioden.
Forschungen zeigen, dass Hitze die Fortpflanzung vieler Insekten beeinträchtigen kann. Besonders empfindlich reagieren Spermien und Entwicklungsstadien wie Eier und Larven.
Wann verlieren Bienen ihre Fruchtbarkeit?
Eine allgemeingültige Temperaturgrenze gibt es nicht, da verschiedene Arten unterschiedlich empfindlich sind. Studien zeigen jedoch:
- Bei Honigbienen gelten Temperaturen zwischen etwa 15 und 38 Grad Celsius für die Fruchtbarkeit der Königin als weitgehend unproblematisch. Oberhalb davon steigt das Risiko von Schäden an gespeicherten Spermien deutlich an.
- Untersuchungen an Hummeln zeigen, dass bereits kurze starke Hitzeeinwirkungen die Lebensfähigkeit der Spermien männlicher Tiere deutlich verringern können.
- Neuere Studien an Wildbienen weisen darauf hin, dass selbst mehrtägige Hitzewellen mit Temperaturen knapp unter 40 Grad langfristige Schäden an der Fortpflanzungsfähigkeit verursachen können.
Vereinfacht gesagt: Ab etwa 38 bis 40 Grad Celsius geraten Fortpflanzungsprozesse vieler Bienenarten in einen kritischen Bereich. Die Tiere sterben dabei nicht unbedingt sofort, können aber in ihrer Fortpflanzungsfähigkeit erheblich beeinträchtigt werden.
Zusätzlich zeigen Untersuchungen, dass Hummelbrut Temperaturen über etwa 35 bis 36 Grad schlecht verträgt.
Jeder Garten zählt!
Hitze und Dürre werden durch den Klimawandel häufiger und intensiver. Umso wichtiger werden naturnahe Gärten als kleine Rettungsinseln.
Schon mit einer Wasserstelle, etwas Schatten und weniger Ordnung im Garten lässt sich viel bewirken. Was für uns wie eine kleine Geste erscheint, kann für eine Wildbiene, einen Schmetterling oder einen Igel überlebenswichtig sein.
Die Karde - natürliche Trinkstelle für Insekten
Eine besondere Pflanze für naturnahe Gärten ist die Wilde Karde (Abbildung oben). Die heimische Art fällt nicht nur durch ihre markanten Blütenstände auf, sondern besitzt eine bemerkenswerte Eigenschaft: Die gegenüberstehenden Blätter bilden am Stängel einen kleinen Kelch, in dem sich Regenwasser sammelt.
Diese natürlichen Wasserreservoirs dienen zahlreichen Insekten als Trinkquelle. Gerade in trockenen Sommerphasen können Wildbienen, Schwebfliegen und andere kleine Tiere von den winzigen Wasserstellen profitieren. Auch Vögel nutzen die Pflanze später im Jahr, denn ihre Samen sind eine wichtige Nahrungsquelle.
Wer die Karde im Garten wachsen lässt, schafft somit gleich mehrfachen Nutzen: Sie bietet Nahrung, Struktur und eine natürliche „Regentränke“ für die heimische Tierwelt. Da sie sich gerne selbst aussät und mit Trockenheit gut zurechtkommt, ist sie eine wertvolle Pflanze für klimaangepasste Naturgärten.
Also pflanz doch eine Karde in deinen Garten für den kommenden Sommer, die Insekten danken dir!

