Saatgut für morgen: Ernten im NABU-Zukunftsgarten
Die Tage werden kürzer, die letzten warmen Sonnenstrahlen verabschieden sich – und im NABU-Zukunftsgarten wird noch einmal fleißig geerntet. Nicht für die Küche, sondern für das kommende Gartenjahr: Wir haben Saatgut gesammelt, getrocknet, sortiert und sorgfältig in kleine Samentütchen verpackt.
Mit dabei waren Salbeigamander, Karde, Ringelblume, Wegwarte, Lein und weitere Pflanzen. Und wir hatten tatkräftige Unterstützung von einigen fleißigen Helferinnen und Helfern, die spontan vorbeikamen und beim Sammeln und Aufbereiten mit angepackt haben.
Karde: Mit einem einfachen Trick zum Saatgut
Besonders bei der Karde war etwas mehr Arbeit nötig. Die trockenen Fruchtstände wurden auf einem großen Tuch ausgeschüttet und vorsichtig bewegt. So konnten sich die kleinen Samen leichter lösen und anschließend gesammelt werden.
Was dabei entsteht, ist viel mehr als ein Vorrat für das nächste Jahr: selbst gewonnenes Saatgut macht unabhängig und zeigt, wie wertvoll die Pflanzen in unserem Garten tatsächlich sind.
Warum Saatgut sammeln?
Saatgut aus dem eigenen Garten zu gewinnen, ist ein wichtiger Beitrag zu mehr Vielfalt. Statt jedes Jahr neues Saatgut zu kaufen, können viele Pflanzen einfach selbst vermehrt werden. So schließt sich ein kleiner Kreislauf: Aus der Pflanze vom vergangenen Jahr entsteht das Saatgut für die Pflanzen im nächsten Jahr.
Dabei können wir beobachten, welche Pflanzen sich an unserem Standort besonders wohlfühlen. Und wir bewahren Pflanzenvielfalt direkt vor Ort.
Gerade in naturnahen Gärten lohnt es sich deshalb, nach der Blüte nicht sofort alles abzuschneiden. Trockene Blütenstände und Fruchtstände bieten nicht nur Vögeln Nahrung, sondern enthalten auch wertvolles Saatgut für die nächste Gartensaison. Außerdem können abgestorbene Pflanzenstängel und Samenstände vielen kleinen Tieren als Lebensraum oder Überwinterungsplatz dienen.
Neben der Sammlung der Saamen vermehrten wir auch Stecklinge von Pflanzen und hoffen, dass diese gut anwurzeln. Die oberen Blätter schneidet man vorher ab, um zu einer möglichst geringen Verdunstung zu führen.
Nahrung für Insekten – und für die nächste Gartensaison
Viele der Pflanzen, deren Samen wir gesammelt haben, sind auch für die Tierwelt interessant.
Die Ringelblume ist eine unkomplizierte und lange blühende Gartenpflanze. Ihre offenen Blüten können verschiedenen Insekten als Nahrungsquelle dienen. Gleichzeitig bringt sie mit ihren leuchtenden Blüten Farbe in den Garten und lässt sich leicht selbst aussäen.
Lein ist ebenfalls eine wertvolle Ergänzung für einen naturnahen Garten. Seine zarten Blüten sind eine Bereicherung für das Blütenangebot und machen deutlich, dass auch eher unscheinbare Wild- und Kulturpflanzen Teil eines vielfältigen Gartenlebens sein können. Nach der Blüte entwickeln sich die bekannten Samenkapseln – und darin steckt bereits die nächste Generation.
Auch Salbei und Salbeigamander bereichern das Blütenangebot und können mit ihren Blüten zahlreiche Insekten anlocken. Die Karde wiederum ist eine besonders markante Pflanze: Ihre großen Blütenstände sind ein Blickfang und können von verschiedenen Insekten besucht werden. Später liefern die Samenstände Nahrung für Vögel – und das Saatgut können wir gleichzeitig für die nächste Aussaat nutzen.
So entsteht im Garten ein Kreislauf, von dem Mensch und Natur profitieren: Blüten bieten Nahrung, Pflanzen bieten Lebensraum, Samen sorgen für die nächste Generation.
Aus Saatgut wird Samenpapier
Unser gesammeltes Saatgut wird aber nicht nur für die nächste Gartensaison aufgehoben. Einen Teil davon wollen wir schon bald gemeinsam kreativ einsetzen.
In einer kommenden Aktion in der Mediothek Borna werden wir Papier schöpfen und daraus eigenes Samenpapier herstellen. Dabei verbinden wir kreatives Arbeiten mit dem Gedanken der Pflanzenvielfalt: Papier entsteht neu – und bekommt gleichzeitig eine zweite Zukunft als kleine Pflanzfläche.
Wer Lust hat, selbst einmal Papier zu schöpfen, Saatgut kennenzulernen und mehr über naturnahes Gärtnern zu erfahren, ist herzlich eingeladen.
Kommt vorbei und macht mit!
WO? Mediothek Borna
WANN? 23.10.2026 15- 18 Uhr

